Liebe Spirituelle!

Bewusste und achtsame Auseinandersetzung mit uns selbst und damit folgerichtig mit dem ganzen Leben um uns herum führt uns Qigong-Übende (und Yoga-Übende, und viele, viele andere auch) auf unserem spirituellen Weg immer wieder an unsere Grenzen. Eigentlich wollen wir ja nur ... üben, friedlich miteinander leben, Harmonie in und um uns herum verbreiten. Doch je mehr uns bewusst wird (und das geschieht durch die spirituelle Auseinandersetzung zwangsläufig), dass alles mit allem zusammenhängt, desto schwerer fällt es uns, unbeschwert in unserem meditativen Glashaus weiter zu üben. Die tiefe Erkenntnis, dass wir ein Teil dieser Welt sind, dass wir in dieser Welt leben und nicht abgekoppelt von ihr, muss uns zur Verzweiflung bringen. Und weil wir nicht verzweifeln wollen, gehen wir mit unseren Gedanken erst gar nicht so weit. Niemand, oder fast niemand.

Wenn es unangenehm wird, schützen wir uns mit einem Jahrtausende alten und bewährten Mechanismus: mit Trennung. Wir schneiden uns von der Welt "da draußen" ab, und mit unserer Innenwelt verfahren wir genau so. Das Paradoxe ist, dass uns das gewohnheitsmäßige, unreflektierte, durch das tägliche Leben immer wieder eintrainierte Überlebensmuster der Trennung im Laufe der Zeit krank macht. Uns und die ganze Welt.

In vielen teilweise sehr schönen und fruchtbaren Diskussionen und auch im inneren Zwiegespräch mit mir selbst wurde ich immer wieder mit unseren Schutzmechanismen konfrontiert. Der eine zieht sich als Selbstversorger zurück in die Berge, ein anderer schützt sich durch Zynismus, der nächste durch Jammern ob der vielen Ungerechtigkeit auf dieser Welt, nicht wenige werden depressiv, viele versinken in ihrer Meditation nur in eine Richtung (nach innen) und wieder andere überlassen ihre (Er)lösung den Göttern.

Diese Konfrontation hat schließlich dazu geführt, diese Webseite zu schreiben. Ich möchte euch dazu ermutigen, zu meditieren. So wie ihr es vermutlich bei diversen Achtsamkeitsmeditationen gelernt habt. Schauen. Sonst nichts. Auch nicht wegschauen, wo etwas weh tut. Einfach nur ... Schauen. Nicht nur mit den Augen, sondern vor allem auch mit dem Herzen.

Diese Meditation ist eine Übung - sie braucht Zeit. Was ihr damit macht, was für konkrete Schlüsse ihr aus eurer Betrachtung zieht, interessiert mich nicht. Diese Webseite ist vollkommen frei von jeglicher Ideologie, ich vertrete keinerlei "Ismus" (Buddhismus, Kommunismus, Taoismus usw.), Weltanschauung, politische Richtung oder wirtschaftliche Interessen. Ich lade euch ausschließlich dazu ein, zu schauen. Ohne zu urteilen. Veränderungen - in welche Richtung auch immer - entstehen dann von selbst.

Warum ist es mir so egal, zu welchen Veränderungen eure Meditation führt?

Weil jede Veränderung und jeder Weg und jede Entscheidung, die eurem Herzen und eurer Liebe entspringen, gute Veränderungen und Wege und Entscheidungen sind!

Geht nicht in die Berge, zieht euch nicht zurück in Depression oder (Selbst)Anklage! Seid euch bewusst und fühlt eure Einheit mit ALLEM. Bleibt hier bei uns, mitten unter uns, und helft mit, Liebe, Verständnis, Freiheit und Frieden zu verbreiten!



Das folgende Gedicht ist von Theodor Fontane. Ich zitiere es hier - einfach, weil es wunderschön ist:

Glaube an die Welt

(Theodor Fontane)


Lass ab von diesem Zweifeln, Klauben,
vor dem das Beste selbst zerfällt,
und wahre dir den vollen Glauben
an dieser Welt trotz dieser Welt.

Schau hin auf eines Weibes Züge,
das lächelnd auf den Säugling blickt,
und fühlís: es ist nicht alles Lüge,
was uns das Leben bringt und schickt.

Und, Herze, willst du ganz genesen,
sei selber wahr, sei selber rein!
Was wir in Welt und Menschen lesen,
ist nur der eigne Widerschein.

Beutst du dem Geiste seine Nahrung,
so lass nicht darben sein Gemüt,
des Lebens höchste Offenbarung
doch immer aus dem Herzen blüht.

Ein Gruß aus frischer Knabenkehle,
ja mehr noch eines Kindes Lallín
kann leuchtender in deine Seele
wie Weisheit aller Weisen fallín.

Erst unter Kuss und Spiel und Scherzen
erkennst du ganz, was Leben heißt;
o lerne denken mit dem Herzen,
und lerne fühlen mit dem Geist.

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